Die Lieferkette – Kostenzentrum oder Einnahmequelle?

Die Lieferkette (Supply Chain) wird gewöhnlich als Geld fressendes Monster dargestellt. Wenn Unternehmen ihre Logistikprozesse überdenken, ist vielen von ihnen nichts wichtiger, als dieses Monster daran zu hindern, ihre hart erkämpften Gewinne zu verschlingen. Die Betriebskosten zu senken und den GuV-Schaden möglichst gering zu halten, war ihr Hauptaugenmerk, wobei Manager bei der Erhöhung ihrer Marge immer spitzfindiger wurden und mal hier rationierten und mal da was zurechtstutzten.

Frage der Mentalität

Schäden zu begrenzen, ist nicht nur eine weitgehend defensive Haltung, sondern laut Aussage von immer mehr Kritikern auch eine versäumte Chance, neue Kundenkontakte zu knüpfen. Folgen Unternehmen traditionellen Wegen und gehen aus falscher Perspektive an das Supply Chain Management heran? Kann es wirklich ein Wachstums-Tool sein und als solches zu mehr Einnahmen und einem erhöhten Marktanteil führen? Wenn ja, wie lässt sich der Wandel vollziehen?

Ermächtigung durch ERP

Wenn wir uns ansehen, wie erfolgreich Großhandelsunternehmen heutzutage die Supply Chain im Griff haben, lässt sich erkennen, dass ihr Erfolg mit den Fortschritten in der Betriebsführungssoftware eng verknüpft ist. Je mehr sich ERP verbreitet, umso wirksamer lassen sich bestimmte Aspekte des Logistik-Ökosystems einsetzen. Unternehmen haben es heute den Entwicklungen im IT-Bereich zu verdanken, dass sie eine intensivere Interaktion mit ihren Kunden pflegen, ihren Kundendienst umfassender gestalten und für mehr Kundentreue sorgen können.

Echtzeit

Systeme, die Kunden bei der Verfolgung von Käufen unterstützen, sorgen für eine echte Sichtbarkeit – sie bauen Frust ab und sorgen für kürzere Warteschlangen am Kundendienstschalter. Ein Mehr an Sichtbarkeit unterstützt Unternehmen auch bei der effektiveren Koordination von Aktivitäten – Fragen lassen sich schneller angehen und Probleme noch vor dem Auftreten ermitteln. Ein verstärkter Einblick lässt Fortschritte hin zu echter Effizienz und weniger vergeudeter Zeit wahr werden.

Dominos

Ein weiterer positiver Vorteil ist die Tatsache, dass Vorlaufzeiten zuverlässiger werden, und Unternehmen gemachte Versprechen leichter einhalten können. Kunden halten Unternehmen, die einhalten, was sie versprechen, in der Regel gerne die Treue. Dennoch lässt sich mit Transparenz allein nicht wirklich etwas verändern. Ohne das richtige Maß an Bestandsreserven, vertrauenswürdigen Partnern mit den gleichen Zielen und konsistenten Produktionsverfahren sehen Kunden lediglich, dass Sie Ihr Unternehmen nicht im Griff haben.

Vereinfachte Expansion

Dank technologischer Fortschritte ist es für Unternehmen einfacher, in neue Märkte vorzudringen – sowohl hinsichtlich des Sortiments der Orte ihrer Produkte. ERP-Systeme verhelfen Unternehmen zu einer flexiblen Bestandsverwaltung, je nach Nachfrage und einer geringeren Gefahr von zu viel des Guten bei der Vorbereitung einer neuen Expansion. Die Technologie hilft Unternehmen auch beim stufenweisen Abbau und Ersatz von Auslaufmodellen – ein wichtiger Aspekt, wenn der Übergang im Portfolio Gewinne abwerfen soll.

Außerdem können sich Unternehmen auf der Suche nach neuen geographischen Herausforderungen bei der Verwaltung neuer wertschöpfender Leistungen oder notwendiger Anpassungen auf ihre Software verlassen und so auf neuen Märkten Fuß fassen. Je stärker eine globale Supply Chain zur Realität wird, umso wichtiger sind die Fähigkeit und das Haupt-Unterscheidungsmerkmal, diese präzise auf die Nachfrage abzustimmen.

Kommunikation

Eine effektivere Integration der Geschäftsverfahren und eine schnellere Kommunikation durch EDI hat ebenso zu intensiveren Beziehungen zwischen Einzelhändlern beigetragen. Ein größeres Maß an Flexibilität und Transparenz führen zu mehr Vertrauen und eine leichtere Risikoverwaltung. Von daher sind Unternehmen eher geneigt, Geschäftsbeziehungen auszubauen und bestehende Partnerschaften in neue Einnahmequellen umwandeln. Je größer das Volumen, umso größer die Chance für Nachlässe, was dem Trend positiven Nachdruck verleiht.

Neue Wissenschaft

Diese Erschließung der Supply Chain erfordert eindeutig ein neues Verständnis und neue Experten, die sich einer möglichst kostenwirksamen, für Kunden attraktiven Organisation verschrieben haben. Bei einer Entscheidungsfindung auf höchster Ebene muss überlegt werden, wo die Chancen für gegenseitig gewinnbringende Geschäftsbeziehungen liegen und wie ihnen ein möglichst großer Wert beigemessen werden kann.

Supply Chain-Experten müssen sich heutzutage genauso viel um das Veränderungsprozess- und Leistungs-Management wie um traditionelle Fertigkeiten kümmern. Kundenmanagement und -bindung sind jetzt im gesamten Prozess ausschlaggebend, und Unternehmen müssen ihren Kunden gegenüber Eigeninitiative ergreifen, statt sich nur dann um sie zu kümmern, wenn die Dinge nicht nach Plan laufen. Reagiert die gesamte Organisation insgesamt stärker und ist sie flexibler, kann die Nachfrage zum entscheidenden Motor werden. Unternehmen können befähigt werden, sich schneller den sich wandelnden Marktverhältnissen anzupassen, Verkaufs- und Betriebspläne für kurzfristigere und wahrhaft kundenzentrierte Horizonte zu erstellen.

Chancen, die es zu erkunden gilt

Sofern die IT-Innovation weiterhin für mehr Transparenz, eine leichtere Kommunikation, kürzere Reaktionszeiten und einen stärkeren Kundenfokus sorgt, können Unternehmen, die auf engagierte Experten mit den nötigen Fertigkeiten zugreifen können, die Supply Chain aus anderer Perspektive sehen. Die Zeiten, in denen Produkte von A nach B befördert und dabei die Daumen gedrückt wurden, sind längst vorbei. Die durch mehr Komplexität und einen effektiveren Einblick gewonnenen Chancen haben Geschäftsbeziehungen zu einem Wettbewerbsvorteil genutzt. Die effektive Nutzung der Supply Chain und der Geschäftsbeziehungen in ihr kann wesentlich zum Umsatzwachstum beitragen.

Wer defensiv auftritt, wird wahrscheinlich abgehängt.