Ist der CFO der Sonnenkönig des 21. Jahrhunderts?

Ist der CFO der Sonnenkönig des 21. Jahrhunderts?

Die Funktion des CFO hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Vor 50 Jahren gab es in den wenigsten Unternehmen überhaupt einen CFO, doch heutzutage ist es eine Funktion mit ständig wachsender Verantwortung. Sind CFOs die Sonnenkönige von heute? Oder sind ihre Tage gezählt?

Ein beliebter Witz lautet: „Woran lässt sich erkennen, dass ein CFO toleranter wird? Er lässt das Marketing das gesamte Budget präsentieren, bevor er Nein sagt.“ Vom Buchhalter bis zum Berater – CFOs sind nicht mehr die Notausschalter, die sie früher einmal waren. Immer wieder taucht in der Geschäftsliteratur auf, dass die Automatisierung dazu beitragen wird, die Aufgaben des operativen Geschäfts zu reduzieren, und dass sie dem CFO zur Übernahme einer strategischeren Rolle verhelfen wird. Doch wie sieht der nächste Schritt aus? Wir alle stellen Vermutungen an, aber abgesehen von den Trendexperten mit ihren weit hergeholten Ideen scheint niemand eine Antwort zu haben. Was ist die nächste Entwicklungsstufe für CFOs? Und, was vielleicht noch wichtiger ist: Gibt es eigentlich eine nächste Stufe?

Wird alles so ablaufen, wie Erik van der Steen, Partner Advisory Digital Finance bei EY, glaubt? Er meint: „Die Tage von Business-Controller und CFO sind gezählt ... Alles, was noch bleibt, ist ein kleines Team, das überlegene Fähigkeiten in den Bereichen Design, Überwachung und Prozessoptimierung einsetzt und das Management bei der Wertschöpfung unterstützt.“

Autorität im Cockpit

Ich würde noch nicht so weit gehen zu sagen, dass der CFO völlig verschwinden wird. Aber die Frage, wie die Vorstandsetage in ein paar Jahren aussehen wird, ist dennoch relevant. Wenn wir uns einmal die Richtung bei der Automatisierung und Robotisierung ansehen, dann wird die Technologie bestimmt Funktionen in ihrer jetzigen Form beseitigen.

Vergleichen wir dies einmal mit dem Wandel der Rollen in einem Flugzeug-Cockpit. Früher war einmal ein Flugingenieur (mit dem CIO vergleichbar) an Bord, dessen Hauptaufgabe in der Überwachung der Systeme bestand: Sobald etwas schief ging, suchte er nach einer Lösung. Da diese Rolle durch Technologie überflüssig wurde, bleiben nur noch zwei Mitarbeiter übrig: der Pilot (CEO) und der Kopilot (CFO). In unseren Augen ist der Kopilot ein Zahlenjongleur, der den Autopiloten überwachen kann, wenn der Pilot das Cockpit für eine Pause verlässt. Lässt sich ganz klar erkennen.

Sie unterscheiden sich in Bezug auf die Autorität, die endgültige Verantwortung und die Entscheidungsbefugnis des Piloten. Damit der Pilot seine Rolle richtig ausführen kann, ist es in außergewöhnlichen oder Krisensituationen manchmal am besten, die Kontrolle an den Kopiloten abzugeben. Auf diese Weise kann der Pilot mit der Flugsicherung (mit Interessenvertretern vergleichbar) und der Kabinenbesatzung (mit der internen Organisation vergleichbar) in Verbindung treten.

Doch der Vergleich lässt sich noch weiter fortführen. Die manuellen Aufgaben des Piloten und Kopiloten werden zunehmend automatisiert. Technische Entwicklungen übernehmen die Prozesse, in denen menschliches Handeln ein Risiko darstellt: Ein Ablauf, der auch bei der freihändigen Buchhaltung zu beobachten ist.

Was bleibt? Die strategischen Entscheidungen, die vor und während des Fluges getroffen werden müssen. Und das alles auf der Grundlage der Datenanalyse, die uns mitteilt, wie wir möglichst effizient und effektiv fliegen können.

Der imperialistische CFO

Zurück zur Rolle des CFOs auf der Vorstandsetage. In vielerlei Hinsicht ist es der CIO, der durch die Zweiergruppe CEO und CFO ersetzt wurde. Dies führte zu einer wichtigeren Funktion, mehr Verantwortung und damit mehr Einfluss des CFOs. Beispielsweise wird erwartet, dass der CFO ein grundlegendes Verständnis des Unternehmens hat. Immerhin muss er als „CIO“ fungieren und IT-Entscheidungen treffen, die die Unternehmensziele unterstützen. Darüber hinaus braucht der CFO starke analytische Fähigkeiten und muss anhand der Unternehmensdaten vorausschauende Analysen erstellen. Ferner muss er komplexe Finanzinformationen interpretieren können und diese Informationen an Mitarbeiter und Beteiligte vermitteln. In der Rolle ist sogar ein wenig des CHRO enthalten. Finanzfachkräfte sind es gewohnt, im Rahmen von Prozessen zu denken und wie sie automatisiert werden können. Es liegt am CFO, das Unternehmen dabei zu unterstützten, zu einem smarten Unternehmen zu werden. Letztendlich öffnet die Technologie „die Türen“ und die Mitarbeiter sorgen für den Mehrwert. Der CFO hat hier bereits Erfahrung mit dem Wandel der Finanzverwaltung.

Allerdings ist dies von der Art des Unternehmens abhängig und findet vor allem in KMU statt. Sämtliche Aspekte großer Konzerne sind relevant, aber die Hierarchie ist in der Regel nicht für das individuelle Design derartiger Führungsfunktionen geeignet. Entwickelt sich der Vorstand so, dass der CFO zum imperialistischen Sonnenkönig wird, und somit eine machtvollere Position erhält als der CEO? Die wachsende Anzahl von Werkzeugen, die dem CFO zur Verfügung stehen, ermöglichen die genaue Messung der Unternehmensleistung. Gleichzeitig ermöglichen sie es dem CFO auch, die Zahlen für sich arbeiten zu lassen, damit sie immer seine eigenen Entscheidungen unterstützen.

Oder steht der CFO unter so viel Druck aufgrund widersprüchlicher Interessen, dass die Arbeit für eine einzelne Person zu viel wird?

Und können wir mit diesen neuen Aufgaben und der Reduzierung der eigentlichen Buchhaltung eigentlich noch von einem „CFO“ sprechen? Es gibt schon Technologieunternehmen, die diese Position mit einem Technikmitarbeiter statt einem Finanzmitarbeiter besetzen, aus der Überlegung heraus, dass diese überlegene Innovationsmotoren sind und daher besser für die Position geeignet.

Und damit schließt sich der Kreis. Muss ein CFO zukünftig alles können, was unmöglich ist? Oder nähert sich das Ende des CFOs und taucht am Horizont eine neue Funktion innerhalb der Vorstandsebene auf?

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